Fachkräfteeinwanderungsgesetz

Am 1. März 2020 tritt das neue Fachkräfteeinwanderungsgesetz für Deutschland in Kraft.

Mit dem neuen geltenden Fachkräfteeinwanderungsgesetz für Deutschland wird erstmals eine allgemeine Einwanderung von ausländischen qualifizierten Fachkräften aus der Nicht-EU geregelt. Dies erleichtert, bei erfüllten gesetzlichen Voraussetzungen, die Jobsuche sowie Aufnahme einer Beschäftigung und ist die Basis der dauerhaften Integration zum Arbeiten und Leben in Deutschland.

Fachkräfteeinwanderungsgesetz – Voraussetzungen

  • die Fachkraft muss eine für Deutschland anerkannte Qualifikation vorweisen
  • gute nachgewiesene Deutschkenntnisse im mindestens Sprach-Niveau-B1
  • Kandidaten müssen ihren Lebensunterhalt während der Jobsuche selbst bestreiten
  • Mit einem Sperrkonto ist der Lebensunterhalt während der Jobsuche nachzuweisen
  • Alle Kandidaten benötigen eine Krankenversicherung und eine nachweisliche Unterkunft
  • Bei Arbeitsaufnahme muss die volle Lebensunterhaltssicherung durch die eigene Arbeit gesichert sein
  • Arbeitsvertrag für eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung mit mindestens 35 Wochenarbeitsstunden

Der Bezug von Sozialleistungen ist während der Jobsuche ausgeschlossen !

Was ist eigentlich eine Fachkraft?

Ausländische Fachkräfte im Sinne des Gesetzes sind nunmehr nicht nur Kandidaten / Kandidatinnen, die einen deutschen, einen anerkannten ausländischen oder einem deutschen Hochschulabschluss vergleichbaren ausländischen Hochschulabschluss haben,
sondern auch,
die eine anerkannte ausländische Berufsqualifikation und somit eine gleichwertige qualifizierten Berufsausbildung besitzen (siehe § 18 Abs. 3 AufenthG ab 01.03.2020). Die Gleichwertigkeit des Abschlusses / der beruflichen Qualifikation der ausländischen Fachkraft, wird im sogenannten Anerkennungsverfahren vor Einreise geprüft und dann erteilt. Jobsuche Visa und Arbeitserlaubnis wird nur mit der anerkannten Gleichwertigkeit und den zu erfüllenden Voraussetzungen, erteilt.

Begrenzung auf Mangelberufe wird ausgesetzt

Hinweis zum FachkräfteeinwanderungsgesetzAufgrund des stabilen Arbeitsmarkts und dem Fachkräftemangel wird die bisherige Beschränkung der Engpassberufe / Mangelberufe, sowie die sogenannte Vorrangprüfung, bis auf weiteres aufgehoben. Somit muss nicht mehr vor jeder Einstellung einer Fachkraft aus einem Drittstaat festgestellt werden, ob ein inländischer oder europäischer Bewerber zur Verfügung steht.


Zu den wichtigsten Neuerungen gehören

Neuerungen Einwanderungsgesetz

  • ein einheitlicher Fachkräftebegriff, der Hochschulabsolventen und Beschäftigte mit qualifizierter Berufsausbildung umfasst
  • der Verzicht auf eine Vorrangprüfung bei anerkannter Qualifikation und Arbeitsvertrag
  • der Wegfall der Begrenzung auf Mangelberufe bei qualifizierter Berufsausbildung
  • die Möglichkeit für Fachkräfte mit anerkannter qualifizierter Berufsausbildung oder entsprechend der bestehenden Regelung für Hochschulabsolventen für eine befristete Zeit zur Arbeitsplatzsuche nach Deutschland zu kommen (Voraussetzung: deutsche Sprachkenntnisse und Lebensunterhaltssicherung),
  • bei Vorliegen eines geprüften ausländischen Abschlusses, verbesserte Möglichkeiten zum Aufenthalt für Qualifizierungsmaßnahmen in Deutschland mit dem Ziel der Anerkennung von beruflichen Qualifikationen
  • Verfahrensvereinfachungen durch eine Bündelung der Zuständigkeiten bei zentralen Ausländerbehörden und beschleunigte Verfahren für Fachkräfte.
  • Wer unter 25 ist, kann auch zur Suche eines Ausbildungs,- oder Studienplatzes für sechs oder neun Monate ein Visum beantragen.
  • Die Suche nach einer qualifizierten Arbeitsstelle erlaubt auch Probebeschäftigungen bis zu 10 Stunden pro Woche
  • Um Verwaltungsverfahren effizient zu gestalten, werden die Zuständigkeiten in den Ländern für die Einreise zur Erwerbsmigration bei zentralen Ausländerbehörden gebündelt.

Für Unternehmen !

Im Rahmen des Fachkräfteeinwanderungsgesetz startet ab 1. März für Unternehmen auch ein beschleunigtes Fachkräfteverfahren um das Anerkennungs,- und Visaverfahren schneller zu durchlaufen.

Sie suchen Fachkräfte und würden auch eine Fachkraft aus dem Ausland einstellen?

Internationale Fachkräfte suchen und finden Sie über speziell international ausgerichtete Jobbörsen, wie das im Ausland anerkannte Fachkräfteportal JOBS-in-GERMANY.net das seit Jahren auf das E-Recruiting und die Anwerbung internationaler Fachkräfte spezialisiert ist.


Sonderregelung für IT Branche und Fachkräfte ab 45 Jahre

Für IT Fachkräfte (wie zum Beispiel Entwickler, Data oder Security Experten), welche besonders in Zeiten der Transformation und Digitalisierung benötigt werden, gibt es eine Sonderregelung. Die Grundlage ist, dass es vor allem in diesem Bereich nicht in allen Ländern eine Ausbildung im klassischen Sinne gibt. Vielmehr handelt es sich hierbei um learning by doing Jobs.

Dementsprechend dürfen IT-Spezialisten auch ohne Ausbildung und mit erforderlichen B1 Deutsch Sprachkenntnisse (Verzicht in Einzelfällen möglich.) per Jobsuche Visa einreisen – vorausgesetzt – Sie können nachweisen, dass sie im Ausland mindestens 3 Jahre (in den letzten 5 Jahren) in der Branche gearbeitet haben und praktische Berufserfahrungen vorweisen können. Zudem müssen Sie ein Gehalt von mindestens 60 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze zur Rentenversicherung (derzeit 4.020 Euro monatlich) beziehen. 

Für ausländische Kandidaten ab 45 Jahren wurde zudem das Gesetz verschärft. Diese müssen für einen Aufenthalt zur Beschäftigung ein Mindestgehalt oder eine angemessene Altersversorgung nachweisen können. Das Gehalt muss mindestens 55 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze zur Rentenversicherung (derzeit 3.685 Euro monatlich) betragen.


Warum wurde das Fachkräfteeinwanderungsgesetz (FKEG) beschlossen ?

Das Gesetz soll helfen, den Fachkräftemangel in Deutschland zu entschärfen, welcher durch die Demografische Entwicklung und Digitalisierung in Teilen vorhanden ist bzw. kommen wird. Vor diesem Hintergrund hat die Koalitionsmehrheit von CDU/CSU und SPD am 07.06.2019 das lange umstrittene Fachkräfteeinwanderungsgesetz beschlossen. 

Für Akademiker / Hochschulabsolventen aus Nicht-EU-Staaten gilt zudem auch weiterhin die Europäische Blue Card Regelung, welche seit 2012 in Kraft ist.

Fachkräfte mit anerkannten beruflichen Qualifikationen eines Mangelberufs, konnten bisher über die Beschäftigungsverordnung Ihre Anträge zur Arbeitsaufnahme in Deutschland stellen. 


Anmerkung von Blue-Card-Jobs.com
Das Gesetz ist ein richtiger Schritt zu einem auch in Deutschland anerkannten Einwanderungsgesetz für qualifizierte Fachkräfte. Man muss aber auch realistisch sein. Mit den richtigerweise zu erfüllenden Voraussetzungen für ausländische Fachkräfte, wird es keine Massen an Bewerbern geben. Denn zum einen sprechen nur ca. 100 Mio. Menschen weltweit die deutsche Sprache, und zum anderen kommen die im Ausland erworbenen Qualifikation selten an die von der deutschen Wirtschaft geforderten Standards heran.

Neben Angebote für Sprachkursen und Fortbildungen, muss es zudem zentrale Anlaufstellen bzw. Ansprechpartner für Unternehmen geben. Bei allem Verständnis der schwierigen Umsetzung, müssen auch die Visaverfahren einheitlich strukturiert und schneller durchgeführt werden. Wartezeiten oder Bearbeitungszeiten von bis zu einem Jahr, blockieren letztlich jegliche Art von Zuwanderung.

Und ja, auch die deutsche Wirtschaft selbst muss endlich bereit sein, sich an der Anwerbung und Rekrutierung ausländischer Fachkräfte zu beteiligen, um qualifiziertes Personal für Deutschland rekrutieren zu können. Das wird mit einer „Kostenlos Mentalität“ nicht funktionieren!

Kritik aus der Zeitarbeit
In der Fassung schließt es die Zeitarbeitsbranche bei der Anwerbung und Beschäftigung von Fachkräften aus Drittstaaten aus. Der Bundesarbeitgeberverband der Personaldienstleister e. V. (BAP)  findet dazu. – „Das ist nicht nur diskriminierend, sondern angesichts von Fachkräftemangel und digitalem Wandel auch kurzsichtig. Die Erfahrung und Expertise der Personaldienstleister könnten kleinen und mittelständischen Unternehmen helfen, geeignete Fachkräfte außerhalb der EU zu rekrutieren. Zusätzlich könnten die Zeitarbeitsunternehmen den beim digitalen Wandel dringend benötigten IT-Fachkräften aus Drittstaaten, die jedoch des Öfteren im Projektbereich nur für kürzere Zeit gebraucht werden, eine langfristige Beschäftigungsperspektive in Deutschland bieten. Die Einwanderung von Fachkräften gesetzlich zu fördern und gleichzeitig jenen Wirtschaftszweig auszuschließen, der dafür bestens geeignet ist, ist paradox.“

Kritik aus der Politik
Johannes Vogel von der FDP: „Die avisierte Zahl von 20.000 zusätzlichen Fachkräften ist lächerlich gering. Die Union hat viel zu lange gebraucht, um sich von ihrer Lebenslüge zu verabschieden, dass Deutschland kein Einwanderungsland sei.“ Gerade von der SPD hätte er sich mehr erhofft. „Trotz aller Bitten aus der Wirtschaft und trotz aller Warnungen von Experten, dass wir einfach viel mehr Fachkräfteeinwanderung brauchen, ist nur ein Reförmchen rausgesprungen“.

Fazit von Jobs-in-Germany.net:
Durch das Einwanderungsgesetz, welches mit dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales und dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie vorabgestimmt ist, werden die Regelungen für den Aufenthalt und die Zuwanderung von Fachkräften aus Drittstaaten (Nicht EU-Staaten) dem wirtschaftlichen Bedarf entsprechend geöffnet, vereinfacht und transparenter gestaltet. Ein guter Anfang nach über 20 Jahren Diskussion.

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